Mittwoch, 14. August 2019

Kraichgau Gravel Ride mit Doc Tom

Hallo Sportsfreunde,

einen Termin für eine gemeinsame Ausfahrt mit einem sehr guten, auch radsportinfizierten Bekannten zu finden, ist manchmal durchaus nicht einfach. Ihr kennt das sicherlich. In den letzten Monaten hatten wir verstärkt nach einem Termin gesucht, aber es war einfach nicht möglich. Entweder hat es bei mir oder bei Thomas nicht geklappt. Zugegebenermaßen ist es bei uns beiden in der Tat noch etwas schwieriger. Thomas kommt aus Bensheim und hat als praktizierender Hals-Nasen-Ohrenarzt einen durchaus anspruchsvollen sowie arbeitsintensiven Job. Sein Leben als Familienmensch nimmt zusätzlich auch noch einiges an Zeit in Anspruch. Bei mir im Kraichgau sind die Lebensumstände etwas anders, was aber nicht bedeutet, dass ich deshalb mehr Zeit habe. Mit 3°TRIPUGNA(c) habe ich quasi rund um die Uhr zu tun. Ich habe keine Freizeit im eigentlichen Sinn. Bei mir sind die Übergänge zwischen Job und Freizeit sehr fließend. Entweder bin ich im Büro, im Fitnessstudio oder ich sitze auf dem Rad. Bei allem was ich tue, ja auch auf dem Rad, ist immer irgendwie die 3°(c) mit im Spiel. Selbst Stadionbesuche bei der TSG 1899 Hoffenheim, egal ob bei den Damen oder den Herren, nutze ich, um Kontakte zu pflegen oder zu knüpfen.

Woher kenne ich Thomas? Lasst mich mal in einigen Sätzen die Zeit etwas zurückdrehen. Viele von euch wissen ja, dass ich Kursleiter für Indoorcycling in verschiedenen Pfitzenmeier Studios bin. Während meiner Kursleitertätigkeit im Studio Bensheim vor einigen Jahren hat Thomas regelmäßig als Teilnehmer meine Kurse besucht. Er fand meine Art Indoorcyclingkurse zu geben sehr ansprechend, da ich sehr authentisch und radsportspezifisch fahre sowie in diese Richtung auch coache. Im März 2017 habe ich diese Kurse in Bensheim aber wieder abgegeben. Es war einfach viel zu zeitintensiv und zu unwirtschaftlich für 2- 3 Kurse 70 Kilometer hin und 70 Kilometer wieder nach Hause zu fahren. Die Verbindung zu Thomas blieb erfreulicherweise weiterhin bestehen, aber leider überwiegend nur noch per WhatsApp. Seither haben wir es aber zumindest mal geschafft, im Rahmen eines Trainingslagers auf Mallorca, mehrere gemeinsame Radtouren zu machen :-). Das liegt aber allerdings auch schon wieder weit über ein Jahr zurück.

Am 11. August hat es nun endlich mal geklappt. Thomas ist nach Hoffenheim gekommen und wir sind durch den Kraichgau gerollt. Da er den Odenwald um Bensheim sehr gut kennt, wollte er unbedingt mal die Heimat von 3°TRIPUGNA(c) kennenlernen. Damit wir uns während der Tour auch unterhalten konnten und es eine Tour ohne Stress werden sollte, haben wir uns mit den Gravelbikes auf den Weg gemacht. Abseits der Landstraßen, ohne irgendwelche nervenden Autos, ist es einfach deutlich entspannter. Auch im Kraichgau ist es mittlerweile so, dass man von Autofahrern fast immer nur noch genötigt oder manchmal auch gefährdet wird, wenn man als Radfahrer auf einer Landstraße unterwegs ist. Diese egoistischen und respektlosen Wichtigtuer, die glauben, ihnen gehört die Straße allein, nerven einfach kolossal. Ich möchte mit dieser Aussage nicht alle Autofahrer pauschal in diese Ecke drängen, nein ganz sicher nicht. Es gibt durchaus auch sehr rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer auf 4 Rädern, aber diese Spezies stirbt leider zusehends aus. Also weg von der Straße und ab ins Feld auf befestigte Wirtschaftswege, die es hier in der Gegend reichlich gibt. Wenn man sich auskennt wie ich, kann man im Kraichgau rund um Hoffenheim und drüber hinaus durchaus fast 90 - 100 Kilometer in einer zusammenhängenden Schleife über die Felder rollen. Und das mit nur sehr wenigen Kilometern auf einer Landstraße. Für mich als Eingeborener ist es immer ein Highlight, wenn ich auswärtigen Radverrückten mein Heimatrevier zeigen darf.

 
Wir rollten von Hoffenheim über Horrenberg, Tairnbach, Rotenberg, Rauenberg, Bad Schönborn, Odenheim und Elsenz nach Eppingen. In Eppingen gabs dann einen wohlverdienten Kaffee und ein sehr leckeres Eis. Leider hatte das Café am Marktplatz aus familiären Gründen an diesem Tag geschlossen. Wir mussten also zum nahen Italiener ausweichen. Sehr schade, denn den sensationellen Kuchen, den es im Café am Marktplatz gibt, hab ich schon ein wenig vermisst. Wie auf nachfolgendem Foto zu erkennen ist, ging es einigen anderen Radfahrern auch so. Eppingen ist bei Radfahrern sehr beliebt, um ein Kaffeepäuschen zu machen. Ich würde es sogar als das Petra des Kraichgaus bezeichnen ;-). Hier sind nur spürbar weniger Radsportler anzutreffen als in Petra auf Mallorca.


Mit Koffein im Blut und ausgeglichenem Zuckerhaushalt ging es nach etwa 45 Minuten weiter auf die letzten Kilometer über Weiler, Hammerau und Sinsheim zurück nach Hoffenheim.


Hinter uns lag eine tolle Runde abseits der Straßen mit teilweise sensationeller Aussicht.


82 Kilometer mit etwas mehr als 700 Höhenmetern. Thomas war begeistert :-). Danke mein Lieber für die Begleitung durch meinen Kraichgau. Das sollten wir wiederholen. Bis hoffentlich schon bald.


Kette rechts

Reiner




Mittwoch, 7. August 2019

Pacemakers Radmarathon 2019 powered by 3°TRIPUGNA(c) - mein sportlich längster Tag des Jahres

Hallo Sportsfreunde,

aus rein sportlicher Sicht haben in Deutschland die Langdistanztriathleten beim Ironman in Frankfurt oder bei der Challenge im fränkischen Roth alljährlich ihren längsten Tag des Jahres. Bei mir ist es der Pacemakers Radmarathon. Ein wirklich außergewöhnlicher Radmarathon, der seinesgleichen sucht. Nicht nur hier in Deutschland, mittlerweile sogar weit über die Grenzen hinaus. 150 Radsportlerinnen und Radsportler rollen einmal im Jahr am 1. oder 2. Samstag im August als geschlossener Verband polizeibegleitet 338 Kilometer durch 3 Bundesländer (Baden - Württemberg, Hessen und Rheinland Pfalz). Eine radsportliche Demo für eine friedliche und gerechte Welt sowie gegen Atomwaffen.

Atomwaffen braucht kein Mensch!


Am 3. August 2019 war es wieder soweit. Der mittlerweile 15. Radmarathon dieser Art stand auf dem Programm. Für die Pacemakers somit ein kleines Jubiläum. Durch behördliche Vorgaben mussten dieses Mal einige wenige kurze Streckenabschnitte etwas verändert werden. Auch die 1. Verpflegungsstelle wurde von Heidelberg nach Neckargemünd vorverlegt. Der Großteil der Strecke blieb aber wie bisher bestehen, sprich von Bretten über Heidelberg, Mannheim, Kaiserlautern, durch den Pfälzer Wald nach Landau und über Germersheim, Bruchsal wieder zurück nach Bretten. Um den Zeitplan einzuhalten und um noch bei letztem Tageslicht das Ziel in Bretten zu erreichen, war ein durchaus sportliches Durchschnittstempo von knapp 30 km/h erforderlich. Das offizielle Veranstaltungstrikot und der Rest der Radbekleidung im Pacemakers Design (Radhosen, Radwesten, Radmützen, Armlinge und Radhandschuhe sowie Radsocken) kamen natürlich aus dem Hause 3°TRIPUGNA(c). Als Teil des Organisationsteams und auch als Guide durfte ich wieder mit dazu beitragen, dass dieses außergewöhnliche Radsportevent erneut ein voller Erfolg war. Im Vorfeld dieses Marathons sind/waren durchaus einige Meetings notwendig, um am Tag der Veranstaltung bestens vorbereitet zu sein.


In den letzten Jahren bin ich immer sehr früh am Samstagmorgen nach Bretten angereist. Dieses Jahr zum 1. Mal schon am Freitagabend, um mit einigen aus dem Organisationsteam noch den einen oder anderen Teller Nudeln zu genießen. Bei Pasta und sehr leckerem selbstgepressten Apfelsaft wurden auch nochmal einige wichtige Details besprochen, die es am nächsten Tag zu beachten galt.

Nach einer kurzen, sehr unruhigen Nacht machten wir uns um ca. 4.15 Uhr auf den Weg zur Stadtparkhalle. Günter, seine Frau und einige andere bereiteten das Frühstück vor. Ich machte mich zügig startklar, um vor dem Start noch ein wenig Zeit für dieses tolle Frühstück zu haben. Der Ablauf am Morgen hat sich über die Jahre bestens eingespielt. Jeder der Helfer erledigte seine Aufgabe perfekt. Ab ca. 5 Uhr trafen dann immer mehr Teilnehmer ein und ich konnte während meines Frühstücks viele altbekannte Gesichter begrüßen. Die Pacemakersfamilie traf sich ca. 8 Wochen nach dem letzten Event erneut, um ihre Botschaft in die Welt zu tragen. Für den alljährlichen Beitrag in der Landesschau am Abend war morgens auch der SWR Baden-Württemberg wieder vor Ort. Es wurden Filmaufnahmen gemacht und auch einige Interviews geführt.


Die Zeit verging wie im Fluge und pünktlich um 5.45 Uhr machte sich das Pacemakers Peloton auf den Weg. Diesmal mit einer erstaunlich hohen Frauenquote, wie ich finde. Gut so liebe Ladies!!!! Wie oben bereits kurz erwähnt, sorgte die Polizei durch ein vorausfahrendes Fahrzeug sowie durch mehrere Beamte auf Motorrädern für größtmögliche Sicherheit auf der gesamten Strecke. Zwar wechselte die Polizeibegleitung in den jeweiligen Bundesländern immer wieder, dennoch lief alles reibungslos. Egal ob an Kreuzungen, an Ampeln oder auf gerader Strecke, das Peloton hatte Vorrang. Alle anderen Verkehrsteilnehmer mussten sich uns unterordnen und Rücksicht nehmen. Einigen Polizisten merkte man auch durchaus an, dass die sogar Spaß hatten, uns zu begleiten. Das Absichern einer großen Gruppe von Radfahrern scheint wohl eine willkommene Abwechslung vom Polizeialltag zu sein. Für uns als längste und außergewöhnlichste Friedensdemo der Welt waren das natürlich beste Voraussetzungen, die Friedensbotschaft bei viel Aufmerksamkeit nach außen zu tragen. Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, ist neben der Polizei natürlich auch ein Supportteam in Begleitfahrzeugen und an den jeweiligen 4 Verpflegungsstationen notwendig. Zu den Verpflegungsstationen kommt später noch die eine oder andere Info. Hinter dem vorausfahrenden Polizeifahrzeug fuhr unser eigentliches Führungsfahrzeug. Als Beifahrer in diesem Fahrzeug und im ständigen Kontakt mit der Polizei sorgte Mr. Pacemakers Roland Blach dafür, dass wir immer auf dem richtigen Weg waren. Da für ihn mittlerweile vieles Routine ist, nimmt er seit einigen Jahren auch oft seine Kamera für wirklich spektakuläre Fotos in die Hand. Am Ende des Feldes waren noch einige andere Supportfahrzeuge begleitend dabei. Ein Sanitätsfahrzeug und ein Verpflegungsfahrzeug mit zusätzlicher Verpflegung für unterwegs. Ganz am Ende fuhren wie immer der Besenwagen und unser Radmechaniker. Also nochmal zwei weiteren Fahrzeuge. Auf dem Weg zur 1. Verpflegungsstation war diesmal auch der Oberbürgermeister der Stadt Bretten dabei. In seiner Funktion als Schirmherr des Pacemakers Radmarathons begleitete er uns bis Neckargemünd auf seinem Motorrad.




Bei meiner nunmehr 8. Teilnahme war ich wie im letztem Jahr auch diesmal wieder als Guide am Ende des Pelotons aktiv. Meine Aufgabe bestand darin, das Fahrerfeld im hinteren Teil zusammenzuhalten und entstehende Lücken bestmöglich zu schließen. Hinter dem Führungsfahrzeug und vor dem Teilnehmerfeld fuhren je 4 Zweierteams vom RSC Bretten. Diese radsporterfahrenen und fitten Jungs sorgten dafür, dass das Tempo sportlich und so gleichmäßig wie möglich blieb. Wir wollten und mussten ja den Zeitplan einhalten. Da aber nicht alle Teilnehmer dasselbe Fitnesslevel hatten, kam es auch immer wieder vor, dass hinten im Feld einige etwas den Anschluss verloren. Das bedeutete für mich, diese Teilnehmer zu unterstützen und mit ihnen zusammen wieder aufzuschließen. Entweder durch Windschatten geben oder sogar durch aktiven Support sprich durch Hand auflegen und schieben ;-). Ein durchaus anspruchsvoller Job, denn ein gleichmäßiges Tempo ist dadurch nicht immer möglich. Das kostet spürbar mehr Körner. Es war also wichtig, mit meinen Kräften zu haushalten, sofern es möglich war. Letztendlich musste ich wie alle anderen ja auch 338 Kilometer zurücklegen und mich selber ins Ziel bringen ;-). Beim Marathon im Jahr 2018 bin ich eher unklug an die Sache rangegangen und hätte mir durch zu viel des Guten fast selbst den Stecker gezogen. Herauszufinden, wer wirklich Support braucht und wer nicht, war diesmal für mich also ein sehr wichtiger Punkt. Ganz am Ende des Feldes zu rollen, war zwar mit höherer Anstrengung verbunden, aber ich konnte auch viele tolle Fotos machen. Das wäre vorne oder im Feld fahrend nicht möglich gewesen.

 
 
Von Bretten bis zur 1. kurzen Pause unweit von Sinsheim ist die Strecke recht wellig, also kraichgautypisch. Dennoch legten wir dieses Anfangsteilstück schon mit einer Durchnittsgeschwindigkeit von etwas mehr als 31 km/h zurück. Somit waren wir einige Minuten vor unserem Zeitplan. Wenn der Zug gut rollt, dann sollte man ihn auch rollen lassen. Diese Zeitersparnis kann später helfen, wenn etwas außergewöhnliches dazwischen kommt und wir ggf. wieder etwas Zeit verlieren. Bei diesem Tempo und bei um die 15 ° am Morgen war kurz/kurz, wie der Radsportler sagt und wie man auf obigen Fotos erkennen kann, für mich allerdings kein Thema. Ich bin eher eine Frostbeule und ziehe mich lieber etwas wärmer an, sprich zusätzlich noch Armlinge, Knielinge und auch eine Windweste. Es war nicht nur recht frisch am Morgen, leider waren auch einige dunkle Wolken am Horizont zu sehen. Diese Wolken sollten uns später durchaus noch beschäftigen und auch herausfordern.


Nach dieser 1. kurzen Pause ging es weiter über Sinsheim, durch Hoffenheim, der Homebase von 3°TRIPUGNA(c), bis nach Neckargemünd zur 1. Verpflegungsstelle. Da das Terrain ab Sinsheim wieder etwas flacher wird, erhöhte sich unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sogar noch um einiges nach oben.


In Neckargemünd angekommen, gab es das 2. Frühstück. Wie immer sehr lecker und reichlich. Bis letztes Jahr war Heidelberg Ort der 1. größeren Pause. Aufgrund von logistischen Problemen in Heidelberg haben wir uns aber entschieden, dieses Jahr nach Neckargemünd auszuweichen. Während der kurzen Begrüßung durch den Bürgermeister sowie der Rede eines Mitglieds der örtlichen Friedensbewegung stellten uns die vorhin schon erwähnten dunklen Wolken auf eine erste Probe. Einige Regentropfen fielen vom Himmel. Noch war es kein Problem, da der Fokus eher auf Essen und Zuhören lag. Das sollte sich aber schlagartig ändern, denn der Regen wurde stärker.


Die Pause war beendet und es ging wieder weiter in Richtung Mannheim. Petrus machte uns nun richtig Stress, denn er arbeitete nicht mehr mit einem Zerstäuber, sondern nahm die Gießkanne in die Hand. Es regnete wie aus Kübeln. Dieser Regen war in der Region Heidelberg so eigentlich nicht vorhergesagt. Aber das ist nun mal WETTER. Es gibt keine 100% richtige Vorhersage. Von Neckargemünd bis etwa nach Weinheim hielt dieser Regen an. Wir mussten bei gleichbleibend hohem Tempo also sehr viel aufmerksamer fahren, um Stürze zu vermeiden. Anscheinend ist leider tatsächlich auch jemand gestürzt, aber das habe ich hinten nicht mitbekommen, wurde mir später nur erzählt. Ab Weinheim hörte der Regen erfreulicherweise wieder auf und die Straßen trockneten ab. Mit einem Blick Richtung Westen konnte man bereits erkennen, dass das Wetter in den nächsten Stunden deutlich besser werden würde. Gut für die Stimmung, die bei einigen Sportlern zu kippen drohte. Wenn es weiter geregnet hätte, wären wir sicherlich mit einem deutlich kleineren Feld und vermutlich auch viel später in Bretten angekommen. Zum Glück hatte sich Petrus aber nochmal Gedanken gemacht und wahrscheinlich auch erkannt, wie wichtig unsere Botschaft ist. Nach einer weiteren kurzen Pause vor Lampertheim und meiner 1. Tätigkeit als Helfer, kamen wir fast im Zeitplan in Mannheim an. Aufgrund von Umbauarbeiten am Rathaus wurde die 2. Verpflegungsstelle wenige Meter weiter an das Reiss - Engelhorn - Museum verlegt.


Da wie immer bei Ankunft in Mannheim die Pasta noch nicht fertig war, wurde traditionell erstmal das Kuchenbuffet geplündert. Wenn man ein Loch im Bauch hat, ist die Reihenfolge der Mahlzeiten völlig egal. Da wird auch gerne mal die Nachspeise vor dem Hauptgang zu sich genommen ;-). Kaum hatte sich der Kuchen in Luft ausgelöst, wurden auch schon die Nudeln angeliefert. Diese verflüchtigten sich vergleichbar schnell. Auch in Mannheim begrüßte uns ein Offizieller der Stadt. Nach Hedis kurzer und sehr wortstarker Rede gegen Atomwaffen, hatten wir noch etwas Zeit für radsportlichen Smalltalk und einige wechselten ihre immer noch feuchten Trikots, Hosen oder Socken. Meine Radbekleidung war durch die mittlerweile etwas angenehmeren Temperaturen schon fast wieder trocken. Ich musste mich also nicht umziehen. Bei mir hatte sich durch den Regen aber das rechte Lenkerband gelöst. Also erstmal abwickeln und wieder ordentlich umwickeln. Mit minimaler Verspätung starteten wir dann auf die nächste Etappe in Richtung Kaiserslautern. Da wir in Mannheim schon den Rhein überquerten, war ab sofort die Polizei aus Rheinland - Pfalz für unsere Sicherheit auf der Strecke zuständig. Es ging erstmal auf flachem Terrain mit grandiosem Blick auf den Pfälzer Wald weiter. Flach bedeutet gleichzeitig auch schnell. Mein Garmin zeigte also wieder ein sehr sportliches Tempo von immer um die 30 - 35 km/h an. Mittlerweile hatten wir bereits über 100 Kilometer mit durchschnittlich 31 km/h in den Beinen. Bei einigen Teilnehmern machte sich dieses Tempo nun so langsam bemerkbar. Der eine oder andere wurde nach hinten durchgereicht und ab jetzt musste ich teilweise richtig arbeiten. Der EINE oder ANDERE, also ich spreche tatsächlich nur von Jungs. Die Mädels blieben tough. Bis ins Ziel ist keine Lady hinten bei mir aufgetaucht. Ok an den beiden Anstiegen, die jeder in seinem eigenen Tempo hochfahren konnte, habe ich einige Ladies überholt. Aber auch da brauchte keine von ihnen meine Unterstützung. RESPEKT meine Damen!!!! Ab Bad Dürkheim wurde es landschaftlich einfach nur grandios. Viele von euch kennen die örtlichen Gegebenheiten ja. 


 
 
 
 
Radfahren im Pfälzer Wald ist natürlich auch mit einigen Höhenmetern verbunden und die ließen nicht lange auf sich warten. Die nächste kurze Pause war auf einem Parkplatz oben auf einer Anhöhe. Dieser Anstieg wurde freigegeben, sprich jeder konnte bis oben hin sein eigenes Tempo fahren. Da wir oben wie erwähnt sowieso Pause machten, hielt ich mich in Sachen Support dezent zurück, um Kräfte zu sparen. Der Parkplatz war schon gut gefüllt, als ich oben angekommen bin, denn ich kletterte sehr zurückhaltend. Jetzt brauchte ich dennoch erstmal etwas frische Flüssigkeit. Aber warum standen da plötzlich so viele Kisten mit Getränken? Diese Kisten hatten wir in Bretten ganz sicher nicht in eines der Begleitfahrzeuge geladen. Fragend blicke ich mich um, bis ich einen schwarzen Wagen entdeckte, der nicht zu unserem Tross gehörte. Den Besitzer dieser Limousine entdeckte ich auch sofort. Es war Thomas, unser Streckenverantwortlicher. Bei unserem letzten Meeting hatte er sich bei mir für dieses Mal aus terminlichen Gründen abgemeldet. Ich rechnete also nicht damit, dass er tatsächlich auch dabei sein würde. Was für eine Überraschung. Jetzt war mir auch bewusst, warum er vor einigen Monaten mal erwähnt hatte, Ensinger Mineralwasser würde uns ggf. mit Getränken unterstützen. Ich dachte da eher an einen Versuch, eventuell etwas Unterstützung zu bekommen, denn heutzutage ist Sponsoring in dieser Form alles andere als normal. Danke lieber Thomas für dieses Highlight. Die Überraschung ist dir mehr als gelungen.

Herzlichen Dank an die Firma Ensinger für diese tolle Unterstützung.


Wir mussten im Zeitplan bleiben, deshalb wurde diese Pause wie geplant zeitlich kurz gehalten. Das nächste Etappenziel Kaiserlauern lag vor uns. Die 3. Verpflegungspause war in einer kleinen Kirche, die wie jedes Jahr für uns zum Pausenraum umgestaltet wurde. Wieder wurden wir offiziell begrüßt und es gab einmal mehr reichlich Kalorien. Die Temperatur war für mich nun auf einem Niveau, das ein Entledigen der Weste sowie der Arm- und Beinlinge zuließ. Viele hatten das schon in Mannheim gemacht, mir war es da aber noch etwas zu frisch. Ich erwähnte bereits, dass ich eher eine Frostbeule bin ;-).


Im Vorfeld hatte sich für Kaiserlautern wieder der SWR Rheinland-Pfalz angekündigt. In den letzten Jahren blieb es immer bei der Ankündigung. Diesmal waren die Journalisten tatsächlich auch gekommen, um uns bis zum nächsten Teilziel Ramstein zu begleiten. Für einige Aktionaufnahmen montierte der Kameramann eine GoPro an mein Rad.


Erfahrungsgemäß bin ich nach dieser 3. größeren Pause hinten auch wieder verstärkt gefordert, denn ab Kaiserslautern wird es für manchen Teilnehmer schon spürbar beschwerlicher. Da ich die Arbeit nicht alleine machen wollte und nach mittlerweile 180 Kilometern in den Beinen auch nicht mehr alleine machen konnte, bat ich zwei Führungsfahrer und einen Teilnehmer (Balle´s, der Mann mit dem geilsten Rad im Teilnehmerfeld) um Unterstützung. Danke Männer!!!


In Ramstein angekommen, wurde die GoPro wieder abmontiert. Der SWR führte mit Roland das für den TV - Bericht notwendige Interview und einige RadsportlerInnen besuchten die Gedenkstätte des Flugtagunglücks in den 80-er Jahren. (Wenn ihr auf den Link klickt, kommt ihr zum YouTube - Video des Unglücks).




Nach ca. 20 Minuten Aufenthalt in Ramstein setzten sich das Fahrerfeld und alle Begleiter wieder in Bewegung. Johanniskreuz war unser nächstes Teilziel. Vor uns lagen somit erneut einige Höhenmeter, also war hinten einmal mehr Support gefragt. Da die letzten Kilometer bergauf nach Johanniskreuz jeder sein eigenes Tempo fahren konnte, zog sich das Feld doch recht weit auseinander. Damit die hinten fahrenden oben auch ein wenig Zeit für Erholung hatten, unterstützen wir sie bestmöglich beim hochfahren.


Nach dieser kurzen Pause ging es pünktlich von Johanniskreuz weiter in Richtung Landau, unserer 4. Verpflegungsstelle. Ab jetzt rollte der Zug wieder gut und auch ziemlich schnell. Nach der etwas steileren Abfahrt von Johanniskreuz ging es sozusagen flach bergab weiter. Bei einem ständig sehr hohen Tempo von immer über 40 km/h hatten wir hinten nun richtig Arbeit, denn einige konnten dieses Tempo nicht lange halten. Für uns bedeutete das Windschatten spenden und alle wieder an das Feld ranfahren. Aber aufgrund dieses sehr hohen Tempos war das nicht wirklich einfach und es hat auch recht lange gedauert, bis wir wieder an das Feld rangefahren waren. Zum Glück war ich jetzt hinten nicht alleine. Etwa 10 Kilometer vor Landau veränderte sich das Profil wieder etwas, so dass wir das Ende des mittlerweile etwas langsamer fahrenden Pelotons endlich erreichen konnten. In Landau bei Kilometer 266 wurden wir nochmal mit wichtigen Kalorien versorgt, die wir auf den letzten 62 Kilometern auch brauchen würden.

 
Nachdem "fast jeder" sein Lichtset montiert hatte und Roland uns noch einige wichtige Punkte bezüglich der Überquerung der Rheinbrücke bei Germersheim mit auf den Weg gab, begann das Abarbeiten der letzten Etappe nach Bretten. Wir rollten wieder in einem ordentlichen Tempo von über 30 km/h. Direkt hinter der Rheinbrücke bei Germersheim änderte sich dann auch nochmal die polizeiliche Zuständigkeit, was aber so reibungslos erfolgte, dass wir nicht anhalten mussten. Es war quasi ein fliegender Wechsel. Etwa 30 Kilometer vor Bretten war die letzte kurze Pause geplant, die durchaus auch notwendig war. In Landau hatten einige doch sehr viel Flüssigkeit gebraucht. Weiter ging es auf die finalen, recht welligen Kilometer bis ins Ziel. Diese Wellen kosteten mich meine allerletzten Körner. Supporten anderer Teilnehmer war jetzt nur noch bedingt möglich, da ich mit mir selbst beschäftigt war. Ankommen war die Devise.

Mit einer Punktladung um kurz vor 21 Uhr erreichten wir das Ziel in Bretten. Es gab einen sensationellen Empfang auf dem Marktplatz, musikalisch untermalt durch den örtlichen Fanfarenzug.



Hinter uns lagen 338 Kilometer und ca. 2000 Höhenmeter. Das Ganze mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 30,2 km/h. Wir saßen 11 Stunden und 8 Minuten im Sattel. Benötigten eine Gesamtzeit von etwas mehr als 15 Stunden inkl. aller Pausen.

Es war wieder einmal sensationell und höchst erlebnisreich.
Einfach grandios! Ich behaupte (korrigiert mich, wenn es nicht so ist): Es gibt KEINE Veranstaltung, der es so gelingt, anspruchsvollen Sport und das sehr wichtige Thema Frieden miteinander zu verbinden. 

Wie ganz oben erwähnt, es ist ein außergewöhnlicher Radmarathon, der seinesgleichen sucht!


Danke lieber Roland Blach. Du als hauptverantwortlicher Organisator dieser ausdrucksstarken und gleichzeitig sportlich anspruchsvollen Schleife durch den Kraichgau, die Rheinebene und den Pfälzer Wald bist für mich einfach nur unglaublich und nicht von dieser Welt. Es ist immer wieder beeindruckend, mit wieviel Herzblut und Geduld du die Pacemakers Projekte lebst und sie für alle Teilnehmer zu einem radsportlichen und gleichzeitig auch thematischen Saisonhighlight werden lässt. Auch wenn es in Sachen Durchführbarkeit oft sehr viele Unsicherheiten gibt, deine Zuversicht führt immer dazu, dass es am Ende mit minimalen Abstrichen doch so gelingt, wie es geplant war. Danke mein Freund, dass ich dich vor etwas weniger als 10 Jahren kennenlernen durfte.

Danke Sascha und danke an deine Jungs für euren wieder mehr als tollen Job vor dem Peloton. Ihr vom RSC Bretten habt erneut dafür gesorgt, dass wir unseren Zeitplan einhalten konnten. Chapeau!!!

Danke Günter für das sehr leckere und mit Liebe zubereitete Essen am Vorabend.

Danke Hermino Katzenstein für deine mittlerweile traditionelle aktive Teilnahme und für deine Organisation der neuen Verpflegungsstelle in Neckargemünd.

Danke Hedi, Madlen, Angela, Horst, Ernst und Wolfgang sowie an alle weiteren in den Begleitfahrzeugen für euren wirklich tollen Support auf der Strecke.

Danke an unseren Radmechaniker und an alle Helfer an den Verpflegungsstationen sowie natürlich auch an die Polizei. 

Danke an alle, die ich vergessen habe.

Zu guter Letzt möchte und muss ich auch nochmal Thomas Eger erwähnen, unseren Experten in Sachen Streckenplanung und allem was dazu gehört. Danke mein Lieber für deine immer wirklich sehr professionelle Arbeit und für dein Engagement im Kreise des Organisationsteams sowie als aktiver Teilnehmer auf dem Rad.

Danke euch allen. Eine Durchführung dieses außergewöhnlichen Friedensevents wäre ohne euch nicht möglich.

Große Hochachtung vor den Radsportlerinnen und Radsportlern, die sich alljährlich sportlich dieser Herausforderung stellen und sich dadurch ganz besonders für eine gerechte und friedliche Welt ohne Atomwaffen einsetzen. "Frieden ist der Weg"!
    

Ich bin sehr stolz, ein Teil dieser Bewegung sein zu dürfen und freue mich schon sehr auf die nächsten Projekte der Pacemakers.

Detaillierte Informationen zu den Pacemakers und ihren Radsportveranstaltungen sowie anderen Aktionen für Frieden und Abrüstung findet ihr auf www.pace-makers.de. 
 
Kette rechts

Reiner

Mittwoch, 31. Juli 2019

Ein Tattoo der besonderen Art

Hallo Sportsfreunde,

ihr kennt es, das Kettentattoo. Ein interessantes Phänomen auf den Waden von Radsportlern oder Triathleten. Obwohl ungeliebt und teilweise sogar gehasst, tritt es immer noch vielfach in Erscheinung. Erfreulicherweise bei mir nur sehr sehr selten. Liegt das an meiner Erfahrung, an meiner Aufmerksamkeit oder hat es einen anderen Grund? Ich weiß es nicht. Jedenfalls stelle ich sehr oft fest, dass sich eher vermehrt Anfänger beider Sportarten, egal ob weiblicher oder männlicher Natur, sehr gerne damit schmücken. Manchmal kommt es aber auch vor, dass ein Triathlet oder Radsportler der alten Schule seiner sportlichen und sehr erotischen Wade damit etwas mehr Ausdruck verleihen möchte. Vermutlich sogar mit Absicht ;-).

Auf nachfolgendem Foto ist es eine erfahrene Triathletin, die schon einige hochkarätige Erfolge vorzuweisen hat, deren Namen aber nichts zur Sache beiträgt. Schaut euch dieses sensationelle Tattoo an. Da hat die Kette ganze Arbeit geleistet. Künstlerisch höchst wertvoll!

WOW...........

Wie gefällt euch dieses Kunstwerk? Hinterlasst gerne einen Kommentar.


Kette rechts

Reiner

Mittwoch, 24. Juli 2019

Cycling Phoxx auf YouTube

Hallo Sportsfreunde,

auf meinen Radtouren oder bei anderen sportlichen Events bzw. Aktivitäten mache ich viele interessante Fotos, die ich in diesem Blog nicht alle zeigen kann. Ich hatte dies in einem älteren Post schon mal erwähnt. Das eine oder andere Video von diesen Aktivtäten gibt's mittlerweile auch. Sowohl in bewegten Bildern als auch aus Fotos zusammengeschnitten.

Speziell für diese Videos habe ich nun auch einen YouTube - Kanal eingerichtet. Habt ihr Lust, euch diese Videos regelmäßig anzuschauen, dann abonniert doch meinen YouTube - Kanal.

Kette rechts

Reiner

Den YouTube - Kanal von Cycling Phoxx abonnieren.

 
 
 

Mittwoch, 17. Juli 2019

Indoorcycling mit der 1. Damenmannschaft der TSG 1899 Hoffenheim

Hallo Sportsfreunde,

seit Anfang Juli 2019 ist die 1. Damenmannschaft der TSG 1899 Hoffenheim wieder zurück auf dem Rasen. Die Vorbereitung für die neue Saison 2019/20 hat begonnen. Seit einigen Jahren spielen die Hoffenheimer Ladies sehr erfolgreich in der Fußballbundesliga der Frauen.

Aufgrund einer Kooperation kommen die Mädels zweimal pro Saison nach Schwetzingen in das Pfitzenmeier Premium Plus Resort. Um ein wenig Abwechslung in ihr sportartspezifisches Training zu bringen, nehmen sie an einer Indoorcycling- und Yogastunde teil. Wie viele von euch wissen, bin ich seit vielen Jahren Kursleiter für Indoorcycling bei der Unternehmensgruppe Pfitzenmeier. Mir wird dann jedes Mal die große Ehre zuteil, diese ganz besondere
Indoorcyclingstunde zu leiten.

Auf Instagram haben meine Fotos davon immer die Headline: Indoorcycling meets Ladies Soccer.


Am 15. Juli 2019 war es wieder soweit. Alle waren sie da. Langjährige und erfahrene Spielerinnen inkl. der beiden Nationalspielerinnen Maxi Rall und Lena Lattwein sowie die Neuzugänge von außerhalb oder aus den eigenen Reihen. Selbst Trainer Jürgen Ehrmann und der Leiter der Abteilung für Frauenfußball Ralf Zwanziger ließen es sich nicht nehmen, etwas für ihre Ausdauer zu tun. Da am Tag zuvor ein Freundschaftsspiel stattfand und einige Spielerinnen etwas platt waren, habe ich den Mädels diesmal sehr viele Freiheiten gelassen. Sie konnten sich entsprechend ihrer Tagesform etwas mehr oder etwas weniger fordern.





Nach der Indoorcyclingstunde ging es für die Ladies dann noch in den Yogakurs meiner Kollegin Petra.

Danke Mädels für die tolle Zusammenarbeit. Es hat mir wieder viel Spaß gemacht. Ich hoffe, wir machen das noch sehr oft zusammen. Am 17. August startet die neue Saison 2019/20. Viel Erfolg für die neue Spielzeit. So oft es mir möglich ist, werde ich bei euren Heimspielen unter den Zuschauern sein und euch anfeuern.

Kette rechts

Reiner


Freitag, 12. Juli 2019

Firmenlauf Sinsheim 2019

Hallo Sportsfreunde,

am Donnerstag, den 11. Juli 2019 habe ich nach langer Zeit mal wieder meine Laufschuhe für einen organisierten Lauf geschnürt. Der Firmenlauf 2019 in Sinsheim stand auf dem Programm. Nach einem Jahr Abstinenz wollte ich dieses Mal wieder an der Startlinie stehen.

Firmenläufe werden seit einigen Jahren immer beliebter und sprießen quasi wie Pilze aus dem Boden. Die Grundidee solcher Läufe ist es, möglichst viele Mitarbeiter von ortsansässigen Unternehmen zu animieren, sich laufsportlich zu betätigen. Mit Zeiterfassung, aber ohne Wettkampfdruck wird eine Strecke von 5 Kilometern zurückgelegt. Eine Distanz, die jeder normale Mensch schaffen kann. Völlig unabhängig davon, wie fit bzw. sportlich man ist. Das hat zum Großteil auch weiterhin Bestand. Die meisten Teilnehmer nehmen tatsächlich auch aus genau diesem Grund an einem Firmenlauf teil. Innerhalb dieser Laufevents ist mittlerweile aber auch eine Bewegung entstanden, die das Ganze durchaus als richtigen Wettkampf betrachtet. Mir fällt das beim Sinsheimer Firmenlauf immer wieder auf. Den Plural "Laufevents" verwende ich bewusst, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass es bei anderen Läufen dieser Art genauso ist. Wenn ihr das auch so seht, ob in Sinsheim oder anderswo, hinterlasst doch unten einfach einen Kommentar. Ich freue mich auf rege Beteiligung.


In Sinsheim wird in 4 - er Teams gelaufen und jede Firma kann eine nicht begrenzte Anzahl von Teams melden. Es gibt reine Männerteams, reine Frauenteams und auch Mixedteams. Im nachstehenden Text verwende ich der Einfachheit halber nur das Wort Läufer. Die Damen mögen mir das verzeihen. Fühlt euch aber dennoch auch angesprochen. Jeder Läufer innerhalb seines Teams läuft für sich, so schnell er kann bzw. möchte. Am Ende werden dann die Zeiten der 4 Läufer addiert und zu einer Gesamtzeit zusammengefasst. Die Platzierung ist dabei beim Großteil der Teams eher Nebensache. Für die oben bereits erwähnte Bewegung aber durchaus sehr wichtig. Einige Unternehmen melden entgegen ihrer Mitarbeiterzahl deutlich mehr Teams oder melden dennoch ein Team, obwohl sie mangels Maße eigentlich kein 4 - er Team melden könnten. Somit haben sie Läufer in ihren Reihen, die nicht zu ihrem Mitarbeiterstamm zählen. Diese Läufer sind zum Teil auch sehr ambitioniert und können durchaus sehr schnell laufen. Man hat sie quasi speziell für den Firmenlauf "eingekauft", um so erfolgreich wie möglich zu sein. Natürlich haben manche Firmen auch schnelle Läufer unter ihren eigenen Mitarbeitern. Das bezweifle ich keineswegs. Mir fällt beim Sinsheimer Lauf aber immer sehr stark auf, dass die Zahl der "Fremdläufer" stetig ansteigt. Eine Entwicklung, die ich persönlich etwas bedauere. Das soll keine Verurteilung sein, denn Hauptsache die Menschen machen Sport. Bevor also kein Team zusammenkommt, werden eben Läufer von außen akquiriert. Dennoch finde ich, dass dadurch der eigentliche Charakter solcher Veranstaltungen mehr und mehr in den Hintergrund rückt. Sei´s drum. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass unterm Strich das finanzielle Ergebnis positiv ausfallen muss. Der Veranstalter braucht schwarze Zahlen in seinen Büchern. Aus Liebhaberei wurde dieses Event sicher nicht ins Leben gerufen ;-). Nochmal sei gesagt, ich spreche hier nur für den Lauf in Sinsheim und was mir persönlich schon oft aufgefallen ist. Gerne lasse ich mich auch eines besseren belehren, wenn ich mich irre.

Ich war wie immer für das Team Venice Beach Sinsheim am Start. Einer Filiale des Fitnessunternehmens Venice Beach mit Sitz in Schwetzingen, welches wiederum zur Unternehmensgruppe Pfitzenmeier gehört. Da ich noch immer überwiegend in Sinsheim meine Fitnesseinheiten absolviere und seit Jahren auch zum erweiterten Mitarbeiterstamm gehöre, war es für mich selbstverständlich, wieder im VB Läuferteam für diesen Firmenlauf zu sein.


Pünktlich um 19 Uhr fiel für weit mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Startschuss. Wie oben schon erwähnt, drückten die schnellen, "eingekauften" Läufer sofort ordentlich auf das Tempo. Der Vorsprung zum großen Feld wuchs dadurch relativ schnell an und sollte bis ins Ziel auch so bleiben. Ich erwähnte bereits, dass ich diese Entwicklung etwas bedauere. Aber ok, ist halt nun mal so.........

Meine Devise war, schnell zu laufen, mich aber nicht von den anderen um mich herum oder weit vor mir beeinflussen zu lassen. Die Leistung abzurufen, die tagesformabhängig möglich war. Mit einer für mich noch durchaus ausbaufähigen Zeit von 21,54 Minuten ist mir das dann auch ganz gut gelungen. Kurioserweise war ich damit sogar schnellster Läufer in unserem Team. Hätte ich nicht gedacht, da die anderen doch deutlich jünger sind.


Der Firmenlauf findet jedes Jahr im und um das Sinsheimer Leichtathletikstadion statt, quasi in direkter Nachbarschaft zum VB Fitnessstudio. Für mich also logistisch mehr als perfekt. Ich konnte vor dem Lauf ein wenig die Oberkörpermuskulatur fordern und zum Abschluss des Trainings dann noch die Beine.

Danke Jungs, dass ich wieder dabei sein durfte. Es hat mir wie so oft sehr viel Spaß gemacht. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei, vorausgesetzt ich bin noch dazu in der Lage ;-).

Kette rechts

Reiner



Freitag, 5. Juli 2019

Deutsches Sportabzeichen 2019 - Radfahren auf dem Formel 1 Kurs in Hockenheim

Hallo Sportsfreunde,

wer von euch hat denn schonmal das deutsche Sportabzeichen gemacht? Sicherlich viele. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass dieser Kelch in den letzten 40 Jahren mit großen Schritten an mir vorüberging. Seit "Jugend trainiert für Olympia" in meiner Teenagerzeit bin ich in einigen Disziplinen, die für das Sportabzeichen notwendig sind, nicht mehr aktiv gewesen. Warum also nicht mal wieder in Angriff nehmen.

Deshalb haben Axel und ich Ende 2018 beschlossen, wir machen im Jahr 2019 das deutsche Sportabzeichen. Axel, auch Mittfünfziger, ist ein guter Freund von mir. Wir fordern mindestens 2 mal pro Woche im Fitnessstudio unsere Muskulatur und fahren im Sommer gemeinsam auch die eine oder andere Runde mit dem Rennrad. Als früherer Ligatriathlet und Leistungskegler war Axel sportlich auf einem sehr hohen Niveau. Ist deshalb durchaus auch etwas vielseitiger. Als mittlerweile sehr erfolgreicher Unternehmer in der Spielzeugbranche liegt bei ihm seit einigen Jahren der Fokus aber nicht mehr auf dem Leistungssport. Sportlich fordern ja, wie er immer sagt, aber zur Gesunderhaltung und nicht, um irgendjemandem noch etwas zu beweisen. Er hat sich quasi meine Philosophie verinnerlicht ;-).

Von drei möglichen Abzeichen (Bronze, Silber oder Gold) streben wir natürlich das Goldene an. Warum kleine Brötchen backen, wenn die größeren den Hunger besser stillen ;-)
In jeder Kategorie und Disziplin muss also das für Gold geforderte Ergebnis erreicht werden. Das Sportabzeichen ist in 4 Kategorien unterteilt. Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Innerhalb dieser 4 Kategorien kann man dann unter mehreren möglichen je eine Disziplin wählen, von der man denkt, dass man sie von allen am besten bewältigen kann.

Das deutsche Sportabzeichen 2019 läuft schon seit einigen Monaten, aber wir beide hatten erst am 4. Juli 2019 unseren 1. Auftritt. An diesem Tag stand für uns die Kategorie Ausdauer auf dem Programm. Um unsere aerobe Fitness auf den Prüfstand zu stellen, wählten wir die Disziplin 20 Kilometer Radfahren und zwar auf einer ganz besonderen Strecke. 4,5 Runden auf dem legendären Hockenheimring. Da quasi mit dem Rad zu fahren, wo sonst nur schnelle Autos und Motorräder unterwegs sind. Ein ganz besonders Privileg für die beiden alten Herren. Ich bin schon einige Male auf dieser Rennstrecke mit dem Rad gefahren, aber das liegt schon mehrere Jahre zurück. Jetzt im Rahmen des deutschen Sportabzeichens war es wieder möglich. Die Glückshormone in meinem Körper gaben schon morgens beim Aufstehen so richtig Gas.


Axel holte mich gegen 16 Uhr mit seinem Firmentransporter ab. Der Start war zwar erst für 18 Uhr geplant, aber wir wollten nicht Opfer des Feierabendverkehrs werden, Nachdem meine Adrenalin - Prinzessin und meine Tasche verladen waren, gings auch schon gleich los gen Hockenheim.


Kaum in Hockenheim angekommen, begannen auch schon die Vorbereitungen für die 4,5 schnellen Runden auf den Spuren der Formel 1. In Schale werfen, Reifenruck prüfen und ggf. nochmal nachpumpen, Trinkflaschen befüllen, Brille putzen, kurze Testfahrt und die Schaltung nochmal checken, etc. pp. Im Grunde also wie im Profi Peloton der Tour de France ;-). Naja fast..... :-) :-).
Im Vergleich zu den allermeisten anderen Teilnehmern waren wir beide aber schon deutlich "professioneller" ausgerüstet. Nur ein ganz geringer Teil war auch tatsächlich mit einem Rennrad am Start. Der Großteil startete in Freizeitradkleidung mit einem Stadt- oder Fitnessrad. Einer fragte uns tatsächlich, was wir denn hier wollen. Es ist nur das deutsche Sportabzeichen und kein internationales Radrennen, sagte ein weiterer Teilnehmer. Aber wir wollen doch die Goldmedaille, also muss die Ausrüstung entsprechend sein. ;-)

Es ist schon faszinierend auf dem Hockenheimring. Hier geben sich Motorsportveranstaltungen die Klinke in die Hand. Alles ist zeitlich ganz genau getaktet. Bis kurz vor unserer Prüfung waren noch Motorräder auf der Strecke und drehten ihre Runden.


Das Einschreiben war erledigt und mit einer leichten Verspätung gings dann über die Boxengasse direkt auf den Ring. Wir konnten uns ganz kurz einrollen bis zur Startaufstellung auf Höhe der Mercedestribüne. Da wir wie oben schon erwähnt 4,5 Runden fahren mussten, war dieser Startort notwendig.


Nach erreichen der Mercedestribune und einer ganz kurzen Ansprache des Zeitnehmers, fiel auch schon der Startschuss. Da ich mich ganz vorne eingereiht hatte, kam ich sofort sehr gut in Tritt. Mit in einer kleinen Gruppe führte ich gleich das Feld an und wir drückten ordentlich aufs Tempo. Axel war kurz vor der Sachskurve noch neben mir, konnte und wollte aber bereits auf Höhe der späteren Ziellinie das Tempo nicht mehr mitgehen. Jetzt lagen noch 4 Runden vor mir.
Relativ schnell merkte ich aber, dass ich mit meinen Kräften haushalten muss, sonst würden mich die schnellen Jungs platt machen. Zumal ich der Älteste in dieser Gruppe war. Also war erstmal bisschen Lutschen angesagt und ich ließ die anderen arbeiten. Durch gutes Zusammenarbeiten konnten wir uns dann etwas vom Hauptfeld absetzen. Wir rollten immer im Bereich zwischen 36 und 45 km/h. Je nach Streckenabschnitt. Ich wollte die anderen aber nicht die ganze Zeit arbeiten lassen und bin dann auch ab und zu vorne im Wind gefahren. Das verlangt die Radsportlerehre ;-). Das Tempo konnten wir halten und nach zahlreichen Überrundungen anderer Teilnehmer gings dann auf die letzte Runde. Die hatte es nochmal in sich. Unsere Gruppe war noch zusammen. Ab sofort war aber jeder Einzelkämpfer, da die Gelegenheit günstig war, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Also nochmal Beine in die Hand nehmen und Rock 'n Roll. Am Anfang der Zielgeraden kam es dann zum Showdown. Ich mobilisierte meine letzten Kräfte und überquerte als Zweiter die Ziellinie.
Der Zeitnehmer rief mir eine Zeit von 31 Minuten und 18 Sekunden zu. Diese Zeit musste ich mir merken und später in mein Formular eintragen lassen. Durch das kurze Weiterrollen nach Überqueren der Ziellinie hat mein Garmin das Ergebnis allerdings etwas verfälscht.


Mit der Zeit von 31,18 Minuten als Basis, bin ich einen soliden 38-er Schnitt gefahren. Für einen Mittfünfziger nicht so schlecht. Die geforderten 47,30 Minuten für GOLD habe ich also mehr als unterboten. Die Freude war groß, was man auf dem nachfolgenden Afterrace - Foto sehr gut erkennen kann.


Axel kam mit 35,11 Minuten nur ca. 4 Minuten nach mir ins Ziel. Damit hat er die Vorgabe auch mehr als erfüllt. Nachdem die Formalitäten erledigt waren, rollten wir uns zusammen mit einige anderen noch ein bisschen aus und bewegten uns dann in Richtung Parkplatz.
 

Wir verluden die Rennmaschinen wieder in den Transporter und ab gings nach Ketsch. Frisch geduscht und mit einem Loch im Bauch gönnten wir uns in Walldorf noch eine leckere Pizza.

Die Kategorie Ausdauer steht somit in den Büchern. Die nächsten Termine für die fehlenden 3 Kategorien/Disziplinen finden für uns dann im August/September statt. Stay tuned.

Kette rechts

Reiner

Mittwoch, 3. Juli 2019

Hoffenheim 312 - ein radsportlicher Selbstversuch

Hallo Sportsfreunde,

am Samstag, den 29. Juni 2019 war es endlich soweit. Der Tag war gekommen, um den schon länger geplanten Selbstversuch HOFFE 312 (Dialektform für Hoffenheim 312) endlich in die Tat umzusetzen. Ich wollte für mich herausfinden und am eigenen Leib spüren, ob und wie sich mentale Stärke/Schwäche aufgrund schwieriger äußerer Umstände auf meine körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Auf der Agenda stand, einen Rundkurs von 1,7 Kilometern Länge mit ca. 30 Höhenmetern hier in Hoffenheim so lange mit dem Rad zu umrunden, bis eine Gesamtstrecke von 312 Kilometern auf meinem Garmin abzulesen war. Das sind durchaus schwierige äußere Umstände. Man muss schon etwas verrückt sein, um so etwas zu machen. Naja, normal kann jeder ;-). Ich fahre schon seit mehreren Jahren jeweils Anfang August einen Radmarathon von über 300 Kilometern in 11,5 Stunden. Physisch bin ich also in der Lage, eine solche Distanz zu absolvieren. So weit und vor allem alleine auf einer sehr kurzen Runde ständig "im Kreis" zu fahren, ist allerdings eine andere Hausnummer. Mir war sehr schnell klar, in 11,5 Stunden wird das nicht realisierbar sein. Dennoch hatte ich zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Zweifel, es körperlich nicht zu schaffen. Selbst wenn ich öfter das Rad wechseln würde. Mich quasi immer wieder an eine andere Rahmengeometrie gewöhnen muss. Zur Auswahl standen mein TREK Madone 4.7 und mein Abrecht Cyclo Cross Bike. Ein in der Tat spürbarer Unterschied in der Rahmengeometrie. Die eigentliche Herausforderung lag somit nicht auf der Streckenlänge, sondern in der Fähigkeit, sehr lange (312 Kilometer) im "Kreis" zu fahren und dabei mental stark zu bleiben. Eine wirklich große Herausforderung, wie sich später noch herausstellen würde.

Aber warum ausgerechnet 312 Kilometer? Kennt Ihr Mallorca 312? M312 ist einer der schönsten Radmarathons weltweit. Bis vor wenigen Jahren führte dieser Radmarathon auf abgesperrten Straßen einmal ringsum die Radsportinsel Mallorca mit einer Gesamtlänge von 312 Kilometern. Auch wenn sich die Streckenführung mittlerweile verändert hat, der feste Bezug zu diesem Radsportevent der Extraklasse war hergestellt. Das sollte mir mental helfen. Hoffenheim ist allerdings keine Insel und hat auch nicht die Größe von Mallorca. Ich wählte also einen Rundkurs innerhalb von Hoffenheim, auf dem wenig Autoverkehr herrschte und der nötige Support (Essen, Getränke etc.) möglich war. Dieser Rundkurs führte auf jeder Runde einmal am Haus meines Cousins Ralf vorbei. Dort konnte ich Pausen machen, mich versorgen und auch mein Equipment deponieren.


Im Vorfeld war nur Ralf über diese verrückte Idee informiert und der meinte nur: "Reiner, jetzt bist du völlig durchgeknallt. Um herauszufinden, wie und ob sich mentale Stärke/Schwäche bei stupidem "im Kreis fahren" auf die körperliche Leistung auswirkt, dafür reicht doch auch eine deutlich kürzere Strecke. Ähm und übrigens denk dran, du bist ein alter Mann :-). Dennoch glaube ich an dich (er weiß, wie verrückt ich in Sachen Radsport bin). Wenn du das tatsächlich machen willst, dann hast du meinen Support." Klar wollte ich das machen. Natürlich bin ich ein alter Mann, aber eine kürzere Strecke von z.B. um die 100 - 150 Kilometern wäre für dieses Vorhaben nur bedingt geeignet gewesen. Warum? Ich bin seit mittlerweile über 35 Jahren radsportlich aktiv (siehe "Über mich"). Lebenskilometer auf dem Rad, die also nicht unerheblich sind. Daraus resultierend habe ich eine sehr gute Grundlagenausdauer. Auch mein regelmäßiges, abwechslungsreiches Ausdauer- und Krafttraining, trägt dazu bei, dass es bei mir recht lange dauert, bis mein Körper auf dem Rad muskulär an seine Grenzen kommt. Ist die Saison etwas fortgeschritten, beginnt bei mir die muskuläre Ermüdung normalerweise so im Bereich von ca. 120 - 150 Kilometern je nach Tagesform. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß ich aufhören muss. Hätten dann 200 oder 250 Kilometer nicht auch gereicht, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen? Vermutlich schon, aber nein, es sollten 312 Kilometer sein. Ich wollte mich so oft wie möglich an diesen tollen Radmarathon auf Mallorca erinnern, den ich 2019 krankheitsbedingt leider nicht komplett finishen konnte :-(. Also ran an den Speck: Go big or go home!

Ein bisschen Werbung in meinem Bekanntenkreis könnte auch nicht schaden, dachte ich mir. Das würde sicherlich den Druck noch ein wenig erhöhen, es durchzuziehen. Eventuell hat ja auch jemand Zeit und Lust, mich auf einigen Runden zu begleiten. Jede Unterstützung, ob auf dem Rad, an der Strecke oder durch Verpflegung, würde mich meinem Ziel ein wenig näher bringen. Also informierte ich sehr kurzfristig per WhatsApp einen ausgesuchten Kreis in meinem Umfeld. Tatsächlich meldeten sich auch einige zurück, dass sie vorbeikommen würden :-).

Am Tag zuvor hatte ich bereits beide Räder zu Ralf gebracht und die nötige Verpflegung sowie die Getränke zusammengepackt. Getreu dem Motto: " Lieber zu viel, als zu wenig" war mein Berlingo bis unters Dach vollgeladen, hauptsächlich mit Getränken. An diesem letzten Juniwochenende 2019 sollte es wettertechnisch nämlich alles andere als angenehm werden. Für den 29. Juni waren Temperaturen von über 30° gemeldet.

Am Samstagmorgen pünktlich um 10 Uhr fiel wie geplant der Startschuss. Ich wollte die Gesamtstrecke inkl. aller Pause so schnell wie möglich zurücklegen. Da es schwer einzuschätzen war, wie lange ich letztendlich brauche, hatte ich auf alle Fälle geplant, auch in der folgenden Nacht noch auf dem Rad sitzen.


Nach knapp 2 Stunden und ca. 20 Runden hatte die Temperatur schon die 30° Marke überschritten. Ich merkte bereits, dass mein Vorhaben mental ein durchaus schwieriges Unterfangen werden könnte. Doch zum Glück kam dann aber schon der 1. Mitfahrer, der mich ein wenig ablenkte. Diese Ablenkung tat richtig gut. Ich verlor dadurch auch den roten Faden und wusste sehr schnell nicht mehr, auf welcher Runde ich mich befand. Egal, kann man ja ausrechnen, dachte ich mir. Hauptsache ich habe Ablenkung. In den nächsten Stunden bis ca. 17.30 Uhr gaben sich die Mitfahrer quasi die Klinke in die Hand. Die Zeit verging wie im Fluge. Des Öfteren schauten wir in die verwunderten Gesichter einiger Anwohner, die sich wohl fragten, warum diese Verrückten ständig an ihren Häusern vorbeifuhren. Es wurden immer mal wieder kurze Pausen gemacht, in denen ich mich gut verpflegte. In einer dieser Pausen wechselte ich vom Madone 4.7 auf den Crosser. Irgendwann war es aber tatsächlich doch mal interessant zu wissen, wie viele Runden ich denn bisher gefahren bin. Also Gehirn einschalten und kurz nachrechnen. Das Garmin hat sicherlich einen Rundenzähler, aber da bin ich nicht Freak genug um zu wissen, wie man das einstellt. Ehrlich gesagt, leg ich darauf auch keinen großen Wert. Um 17.30 Uhr waren dann mittlerweile nahezu 140 Kilometer absolviert. Der Gedanke, es zu schaffen, war präsenter denn je. Danke Jungs (William, Stefan N. Ben, Stefan K. und Gerhard) für euren Support!
 
 
Nachdem sich mein letzter Mitfahrer um kurz nach 17.30 Uhr verabschiedet hatte, machte ich die nächste längere und wohlverdiente Verpflegungspause, wechselte zurück auf das Madone 4.7 und weiter gings. Ab diesem Zeitpunkt kam die Einsamkeit zurück. Das sollte bis zum Ende auch so bleiben. Ich drehte Runde um Runde. Legte dabei aber auch drei weitere kurze Päuschen ein. Die Kilometerzahl erhöhte sich in diesen nächsten Stunden auf ca. 170 Kilometer. Um ca. 21 Uhr stand dann die letzte etwas längere Ruhephase an. In der Nacht wollte ich mir nur noch einige sehr kurze Auszeiten gönnen. Deshalb war es wichtig, sich nochmal ordentlich zu verpflegen, bevor die Sonne am Horizont verschwand. Bei dieser Gelegenheit wechselte ich wieder auf den Crosser, mit dem ich sicher durch die Nacht fahren wollte. 
 

 
Ab 22 Uhr wurde es so langsam dunkel. Es war an der Zeit, die Beleuchtung am Rad zu aktivieren. Mit einsetzender Dunkelheit wurden aber auch meine Gedanken immer dunkler. Der Kampf begann. Leider hat mein innerer Schweinehund in den nächsten 2 Stunden ganze Arbeit geleistet. Er wurde buchstäblich zum Chef im/am Ring (eine Straße auf meinem Rundkurs heißt übrigens "Am Ring"). Immer mehr hat er die Macht an sich gerissen und mich schlussendlich dann doch besiegt. Um 0 Uhr beim Stand von 200 Kilometern, 3400 Höhenmetern und 11 Stunden im Sattel (reine Fahrzeit) habe ich beschlossen, das Projekt abzubrechen. Es war ein mentaler Kampf gegen mich selber, den ich bis dato so noch nicht geführt hatte. Körperlich wäre ich durchaus noch in der Lage gewesen weiterzufahren. Durch meine immer geringer werdende Motivation war ein Weitermachen allerdings nicht mehr möglich. Selbst eine etwas veränderte Strecke kurz vor dem Abbruch, auf der ich noch 3 Runden absolvierte, hat nicht mehr geholfen, meine Motivation nochmal anzuheben. :-(


Mein Fazit zu diesem interessanten Selbstversuch:

GUT, dass ich es gemacht habe, auch wenn ich abgebrochen habe. Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Der mentale Zustand wirkt sich schon auf die Leistung aus, aber nur bedingt. Bei mir ist es eher die Motivation, die durch die schlechter werdenden Umstände (Nacht, alleine fahren etc.) immer geringer wird und dann letztendlich für den Abbruch eines solchen Projektes verantwortlich ist. Final bin ich aber weiterhin der Meinung, ein Vorhaben in dieser Form ist zu schaffen. Man muss nur sehr viel besser planen, besser vorbereiten und sollte auch nicht alleine fahren.

Ich werde es mittelfristig also nochmal versuchen. In welcher Form auch immer. Seid gespannt!

Kette rechts

Reiner